Ireon

Der Reiz dieses kleinen Urlaubsortes erschliesst sich dem eiligen Tagesbesucher und Dörfersammler nur schwer.

Viele lassen sich durch den ersten Eindruck der schnurgerade angelegten Dorfsträßchen und rechtwinkligen Kreuzungen davon abschrecken, sich Ireon mal etwas genauer zu anzuschauen. Zugegeben, mit den Ortsbildern von Pythagorion und Kokkari kann sich Ireon nicht messen, die Einwohner bemühen sich aber sehr, durch vorbildliche Pflege der Häuser und viel liebevollen Blumenschmuck die Geradlinigkeit der Reissbrettplanung ein wenig aufzulösen. Auf jeden Fall hat der Ort dem interessierten Urlauber eine Menge griechisches Alltagsleben, aber auch eine angenehme, unaufdringliche touristische Infrastruktur zu bieten. Und, was in der heutigen Zeit nicht unerwähnt bleiben soll, das Preis- Leistungsverhältnis ist um einiges besser als in den größeren Urlaubsorten.

Der Urlaubsort ist in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts aus der Fischersiedlung von Pagondas entstanden. Bewohner des Bergdorfes haben hier damals kleine Hotels, Tavernen, Geschäfte etc. gebaut, um auch ein Stück vom damals so großen und einträglichen Tourismuskuchen abzubekommen. Eine Menge Familien haben sich gleich fest angesiedelt, so daß aus Ireon nicht nur eine Urlaubersiedlung, sondern auch ein typisch griechischer Wohnort wurde. Die alten Fischerhäuschen stehen aber immer noch am südlichen Ortsende, zwischen Kinderspielplatz und Fischerhafen.

Tagsüber ist der Ort sehr ruhig, wenn nicht sogar verschlafen. Die Einwohner gehen ihrer Arbeit nach, viele davon auch in den Tourismusbetrieben des nahen Pythagorion. Die Urlauber sind irgendwo auf der Insel unterwegs oder haben es sich am Pappas Beach im Süden des Ortes gemütlich gemacht und die wenigen Tagesausflügler, die sich bis zur Platia vorgewagt haben, geniessen die Ruhe bei einem kühlen Frappé. Am Abend jedoch erwacht Ireon zum Leben. Die Bars und Tavernen auf dem Dorfplatz und längs der Uferpromenade sind von Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen bevölkert und auf der Platia mischen sich die Dorf- und Urlauberkinder beim Spiel. An den Wochenenden wird alles noch ein wenig bunter, wenn die Bewohner der umliegenden Bergdörfer zur „Volta“ herunterkommen. Ein strategisch günstiger Sitzplatz in einer der Bars an der Platia und bei einem Glas Ouzo oder Wein die unterhaltsame Aussicht auf die Flanierenden geniessen, ersetzt das beste TV-Programm. Richtig laut wird es an einem Wochenende Ende Juli oder Anfang August, wenn an 3 Tagen Bands und Musiker aus ganz Griechenland und darüber hinaus beim Ireon Music Festival die Olivenbäume in Schwingung versetzen.

Wer seine Urlaubstage in Ireon verbringen will, hat die Wahl zwischen mehreren Stränden. Im Ort selbst gibt es unterhalb des Spielplatzes einen Abschnitt mit Kies-Sandgemisch und einen ähnlichen Abschnitt am Ortseingang rechts vom Flüsschen Imvrassos. Auf der anderen Seite der Imvrassos-Brücke beginnt der Potokaki-Strand, der sich kilometerweit bis Pythagorion zieht und der durch seine Ausdehnung auch einsame Abschnitte bietet. Vom Ort aus in Richtung Süden findet man rechts vom Fischerhafen eine kleine Kiesbucht. Nach einem Spaziergang von ca. einem Kilometer erreicht man dann den „Pappas Beach“, der aus zwei Fels- und Kiesbuchten besteht und von einer Familie liebevoll gepflegt und bewirtschaftet wird. Hier, wie auch an den Stränden direkt im Ort werden Liegen und Sonnenschirme vermietet. Wanderfreunde finden mehrere Kilometer weiter noch ganz einsame Felsbuchten, unter denen die am „Aspros Kavos“ mit seinem weissen Felsentor die bekannteste ist.

Natürlich ist Samos viel zu schade, um den ganzen Urlaub am Strand zu verbringen. Ireon liegt glücklicherweise recht günstig, um auch den Rest der Insel zu erkunden. Zu Fuß erreicht man nach ca. 20 Minuten die Ausgrabungen des Heraion, eine gute Stunde ist man bis zum idyllisch gelegenen Bauerndorf Myli unterwegs. Mehrmals täglich fahren Busse über Pythagorion nach Samos-Stadt, von wo man sehr gute Verbindungen an der Nordküste entlang bis Karlovassi hat. In Ireon selbst gibt es die Möglichkeit Autos und Zweiräder zu mieten und einige der Bootskapitäne, die von Pythagorion aus die Insel Samiopoula ansteuern, machen nach Absprache auch gerne einen Zwischenstopp in Ireon, um weitere Gäste mitzunehmen.

Für Menschen wie mich, die gerne entspannte, aber trotzdem ereignisreiche Urlaubstage verbringen möchten, ist Ireon also genau das Richtige… :-)

2 Antworten auf „Ireon“

  1. Wir haben Samos seit sehr vielen Jahren kreuz und quer bereist. Es ist für uns inzwischen fast Heimat geworden. Und seit Jahren logieren wir nur noch in Iréon. Ein unspektakuläres Dorf mit unbeschreibbaren Charme und Herzlichkeit und obendrauf augezeichneten Tavernen!

  2. Da gebe ich dir vollkommen recht. Seit elf Jahren ist das Dörfchen auch für mich ein zweites Zuhause. :)

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