Der Einkauf

Wie die Rinderroulade nach Samos kam – von Uli

Seit einigen Jahren ist es uns eine liebe Gewohnheit geworden, unseren besten (griechischen) Freunden die Vielfalt der deutschen „Hausmannskost“ näher zu bringen.

In einem der letzen Jahre entschieden wir uns für Rinderrouladen.

Und da am Anfang eines jeden Gerichtes der Einkauf steht … machten wir uns also auf in das Fleischerfachgeschäft unseres Vertrauens.

Wir suchten uns ein wunderschönes, großes Stück Rinderbraten aus. Den netten Mitarbeiter baten wir darum, es zu schneiden – worauf der eilig das Messer nahm und forsch ein mehr als 2 Finger dickes Stück abschneiden wollte.

Unser „STOPP – zu dick“ erwiderte er mit einem fragenden Blick und zeigte dann mit dem Messer den von ihm geplanten nächsten Schnitt (etwas weniger als 2 Finger dick) an.

„Nein …!!! Immer noch zu dick“. Wir zeigten mit Zeigefinger und Daumen die von uns gewünschte Dicke an. – Ratlosigkeit beim Schlachter.

Er entschied sich nun dafür seine Arbeit einstweilen einzustellen, denn was wir von ihm verlangten, schien er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren zu können.

Wer weiss, vielleicht ist ja „Rinderbratendünnschneiden“ in Griechenland eine Straftat und wir waren gerade dabei uns als Anstifter schuldig zu machen.

Um Himmels Willen, .. nicht nur der Schlachter, auch wir würden uns unweigerlich im Knast wiederfinden … fern ab von leckeren Rouladen – bei Wasser und Brot…

Wahrscheinlich sah der Schlachter seinen letzten Ausweg in einer Selbstanzeige … denn er hatte seinen Arbeitsplatz fluchtartig verlassen.

Aber zum Glück kam er ohne uniformierte Beamte sondern mit einem netten Herrn im blauen Arbeitsanzug wieder. Dieser fungierte fortan als wirklich versierter Übersetzer.

Nach dem wir ihm unsere Absicht erläutert hatten (natürlich mit ausdrücklichem Hinweis auf die Legalität unseres Vorhabens) begann der Übersetzer mit seiner Tätigkeit.

Wir waren frohen Mutes, dass wir nun endlich auf dem besten Wege waren, den Rohstoff für die Rouladen bald unser Eigen nennen zu können.

Weit gefehlt! Anstatt einfach unserem Wunsch zu entsprechen und das Fleisch in dünneren Scheiben vom großen Ganzen zu lösen, ließ der Schlachter zunächst fragen wie das Gericht ganz genau zubereitet wird.

An dieser Erklärung zeigten sich in der Zwischenzeit auch zahlreiche andere Kunden äußerst interessiert, so dass der Übersetzer es wohl für angebracht erachtete, Großmutters (bisher) geheimes Rouladenrezept mit lauter Stimme ins Rund zu posaunen, was daraufhin heftige Diskussionen auslöste.

Dann endlich, … der große Moment !!! Der Schlachter setzte das Messer an !

Wie ein Chirurg begann er mit der Operation – ließ uns jedoch dabei seine tiefe innere Abneigung über das erzwungene Tun mit jedem neuen Schnitt spüren.

Proportional zu seiner Wut steigerte er kontinuierlich die Schnittbreite, … so daß die letzten Stücke dann doch eher 2-Finger-dick waren – was wir ohne weitere Beanstandung hingenommen haben…

Fazit: Wir haben uns ein scharfes Messer gekauft und schneiden jetzt selber !

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