2010 – 8. Tag: Heilige Orte und irdischer Genuß

Bereits vor zwei Tagen habe ich eine SMS mit einer charmanten Einladung für Samstag bekommen. Es soll nachmittags in eine Ouzeri in Samos-Stadt gehen und so ein Angebot können wir natürlich nicht ablehnen. :-)

Nun wäre aber noch der Vormittag sinnvoll zu verbringen und wir beschließen, eine kleine Runde durch die nähere Umgebung zu machen. Über Koumaradei fahren wir zunächst zum Kloster Timiou Stavrou und haben Glück: Das Tor steht offen und es herrscht reger Betrieb unter den Arkaden vor der Kirche. Unzählige Frauen mittleren bis gehobenen Alters haben sich zusammengefunden und polieren, selbstverständlich bei angeregter Unterhaltung, die Silberschätze des Klosters. An einer anderen Ecke wird laut auf Albanisch diskutiert, hier sind Bauarbeiter mit der Renovierung der Kirchenmauern beschäftigt.

Nachdem wir uns noch ein wenig mit den Klosterkatzen neben dem Müllcontainer unterhalten haben, fahren wir weiter in Richtung Mavratzei. Unterwegs treffen wir auf die eindrucksvolle Agios Spyridonas Kirche, die wir uns näher anschauen. Anschließend können wir von der Terrasse der Kirche noch einige Skandinavische Maschinen im Landeanflug beobachten.

Weiter geht es durch Mavratzei und zurück zur Hauptstraße. Kurz hinter Mavratzei entdeckt Susanne am Straßenrand eine Ruine, die wir uns natürlich näher anschauen müssen. Es handelt sich um eine völlig verfallene Ölmühle, in deren Inneren noch die verrosteten Maschinen stehen. Als Hersteller einer der Maschinen ist „G.D. Issigonis & Co., Smyrna“ zu lesen. Meines Wissens wurde Smyrna 1923 der Türkei zugesprochen und heisst seitdem Izmir, auch dürfte es nach diesem Datum kaum mehr griechische Fabriken in dieser Stadt gegeben haben. Demnach ist unsere Mühle also wohl vor dieser Zeit entstanden. Wann sie aufgegeben und dem Rost überlassen wurde, erfahren wir leider nicht.

Da unsere Begleiter zum Mittagessen nicht über fahrbaren Untersatz verfügen (wie praktisch.. ;-) holen wir die Beiden ab und fahren in die Stadt. Ich war bisher noch nie in einer dieser typischen, ganz einfachen Ouzerien mit schlichtester, schmuckloser Einrichtung. Aber die Philosopie, daß es mehr auf das ankommt, was auf den Tisch kommt, als auf das Design des Tisches selbst, begeistert mich natürlich. Und da sind wir wirklich genau an der richtigen Adresse, bald ist der Tisch vollbeladen mit hervorragenden Leckereien und auch der Ouzo fehlt nicht. Da ich ja noch die Rückfahrt bewältigen muß, muß ich mich da aber leider zurückhalten. Wer „nachschmecken“ möchte: Ouzeri „O Neos“ an der Uferstraße in Samos-Stadt.

Zurück in Ireon warten schon Ulrike, Jannis und Maja auf uns. Zusammen fahren wir dann zum Grundstück oberhalb von Pagondas wo uns das neueste Familienmitglied, Pferd „Ermis“, vorgestellt wird. Endlich lernen wir auch die glücklichen Hühner kennen, die uns zum Frühstück ab und zu ein Ei spendieren.

Zurück in Ireon beschließen wir, auf das Abendessen zu verzichten, dafür lauschen wir vom Zimmer aus dem fröhlichen Lärm einer griechischen Taufgesellschaft in der Taverne gegenüber. Irgendwann schaffen wir es aber doch, einzuschlafen…

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