2010 – 10. Tag: Das Ende

Jedes Jahr aufs Neue befällt mich in den letzten Stunden auf Samos eine komische Krankheit. Ich werde schusselig, vergesslich, mache dumme Fehler, rede Stuß und gehe meinen Mitreisenden damit auf den Wecker. Und die ganze Zeit warte ich auf den rettenden Engel, der mir verkündet, daß der Rückflug gestrichen ist und ich noch eine Weile auf der Insel bleiben muß. Nicht für immer, nur noch ein paar Tage oder Wochen. Bisher hat das nie geklappt, aber man soll ja die Hoffnung nicht aufgeben… ;-)

Beim Frühstück bin ich aber noch einigermaßen bei Sinnen und wir beschließen, die Zeit bis zum Rückflug um 16.05 Uhr sinnvoll zu nutzen.
Wir fahren Richtung Osten, durch Pythagorion, Paleokastro und Kamara bis zum Kloster Zoodochos Pigis, das auf einem Felsen hoch über der samiotischen Ostküste thront.
Zunächst suchen wir den Pfad zum einem Platz ein Stück hinter dem Kloster, wo angeblich der Apostel Paulus gepredigt haben soll. Da ich meine entsprechenden Notizen aber zu Hause liegen haben, finden wir ihn natürlich nicht. Dafür geniessen wir die traumhafte Aussicht auf die Ostküste und die bunten Fischerboote in der Mourtia-Bucht, bevor wir das Kloster besichtigen. Die Lage ist das Spektakulärste an diesem Ort, gegen die anderen Klöster auf Samos, die aufwändig renoviert wurden und werden, ist hier aber alles eher schmucklos und schlicht. Ein Grund ist sicherlich, daß Zoodochos Pigis noch von Nonnen bewohnt wird und Besucher eher nebensächlich sind.

Anschließend fahren wir hinab an die Mourtia-Bucht, wo wir melancholisch aufs Meer starren und die italienischen Badegäste nebenan beneiden, die offensichtlich noch einige Urlaubstage vor sich haben.

Noch einmal Essen zu gehen trauen wir uns nicht, da uns der Abschied dann bestimmt noch schwerer fallen würde. Also decken wir uns auf dem Rückweg im Supermarkt mit einem Mittagessen ein, mit dem wir uns die leckere samiotischen Küche abgewöhnen wollen: Joghurt, Chips und Orangensaft, so richtig Hunger haben wir sowieso nicht.

Nach dem Abschied von Ulrike setzt bei mir die Demenz ein. Als wir gerade an der Tankstelle vorbeifahren, erinnert mich Susanne daran, daß wir das Auto noch volltanken wollten. Uuuups, ich habe wohl etwas zu heftig gebremst, die quietschenden Reifen bescheren uns immerhin ein anerkennendes (?) Grinsen des jugendlichen Tankwarts.
Nachdem wir nun zumindest an das Benzin gedacht haben, bemerke ich, daß ich den Hausschlüssel der Pension noch in der Tasche habe. Och neeeeee !

Am Flughafen angekommen, freuen wir uns, daß der Check In für unseren Flug bereits im Gange ist, denn wir hoffen ja, daß wir noch ein wenig Zeit haben, um Jörg und Torsten zu begrüßen, die mit dem Flieger aus Hamburg eintreffen werden. Bald sind wir die Koffer los, haben unsere Bordkarten für Samos-Berlin und Berlin-Stuttgart in der Tasche und können uns in die Ankunftshalle begeben.

Wie erhofft kann ich hier den entführten Haustürschlüssel zur Rückführung an Sandy übergeben und wir warten zusammen mit Reiseleiterinnen, Autovermietern und anderen Empfangskomittees auf die Ankunft der Hamburger. Ich sehe Jörg, aber er sieht mich nicht und die Überraschung gelingt perfekt. Ein wenig Smalltalk und dann müssen wir uns allseits verabschieden und die Abflugkontrolle passieren.

Wenig später haben wir Samos hinter uns gelassen, befinden uns irgendwo über der Ägäis, meine Krankheitsymptome lassen nach und ich beginne, mich ein wenig auf zu Hause zu freuen…

We cannot display this gallery

2 Antworten auf „2010 – 10. Tag: Das Ende“

  1. Ich fliege dieses Jahr das erste Mal nach Samos. Viele Jahre habe ich Rhodos unsicher gemacht und auch Korfu habe ich inzwischen besucht. Samos reizt mich aber schon länger, genauer gesagt seit 1992 als wir bei einer Kreuzfahrt auch Samos angelaufen hatten und in diesem Jahr ist es nun das erste Mal soweit. Leider wieder ohne meinen Mann den ich auch nach all den Jahren noch nicht zum Reisen bewegen kann. Aber ich bin gespannt auf die Insel und nach solch einem Reisetagebuch ganz besonders. Ich freue mich schon sehr darauf!!!! Danke für die schönen Eindrücke!

  2. Hallo Christina,
    Dein Mann ahnt gar nicht, was er da verpasst… ;-)
    Aber Du wirst Dich auf der Insel auch alleine nicht langweilen und es wird Dir sicher gut gefallen.
    Schönen Urlaub und Gruß,
    Anja

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.